Balmes Der Rhein

EXTRATIPP

Hans Jürgen Balmes ist alleine oder zusammen mit seiner Partnerin mehrere Male den Rhein entlang gereist und war teilweise sogar mit dem Paddelboot auf dem Fluss unterwegs. Von den Quellen in den Alpen bis zu den vielen Mündungsarmen in Holland an der Nordsee hat er diesen Fluss bereist und beschrieben. Er ist ein guter Beobachter, beschreibt mit einem reichen Wortschatz den Fluss, seine Ufer, die Lebewesen in und am Fluss und teilt seine eigenen philosophischen Gedanken dazu. Es interessieren ihn sowohl die erdgeschichtliche Entstehung wie auch die menschengemachten Veränderungen, die Kulturgeschichte der Menschen am Fluss und die Faszination, die der Rhein für Künstler hat.
Nach einer kurzen erdgeschichtlichen Exkursion in Bingen und in der Nähe der Mündung des Mains führt uns der Autor in die Alpen zu den Quellbächen des Rheins. Er erzählt von der späten Entdeckung der Rofla Schlucht, vom stürmischen Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Reichenau, wo der Bau eines Kraftwerks beinahe der Wanderung der Seeforellen ein Ende bereitet hätte. Und schon führt uns der Alpenrhein von Reichenau an den Bodensee, der ja lange Zeit ein riesiger Gletscher war.
Das nächste Kapitel widmet sich dem Hochrhein mit dem Rheinfall bei Schaffhausen. Bald finden wir uns bei den (recht langen) Ausführungen über den Maler J.M.W. Turner mit seiner Beziehung zum Rhein und seiner Begeisterung über Licht und Farbe. Dann erfahren wir Einiges über die komplizierte technische Begradigung des Oberrheins und die davon noch übrig gebliebenen Auenlandschaften mit ihren vielfältigen Biotopen, Heimat für Pflanzen und spezielle Wasserbewohner. Als Geschichte von Menschen und ihrer Arbeit am Rhein sind mir besonders die Ausführungen über den wilden, engen Mittelrhein im Gebirge in Erinnerung. Lotse war ein wichtiger Beruf, denn bis Ende des letzten Jahrtausends konnte die Strecke zwischen Bingen und Koblenz, der Unübersichtlichkeit und der vielen Untiefen wegen nur mit einem Lotsen befahren werden.
Und schon stehen wir am Laacher See acht Kilometer westlich des Rheins in der hügeligen Eifel-Landschaft und erfahren, dass dieser liebliche See ein Kratersee ist und damit die Folge eines enorm starken Vulkanausbruchs im Jahr 10‘996 v. Chr. Unglaublich, was man heute mit den modernen wissenschaftlichen Methoden alles herausfinden kann. Besonders wichtig sind Balmes die Vögel. Immer wieder werden am Wasser lebende Vögel beobachtet und sorgfältig beschrieben. Und so lernen wir am letzten Mündungsarm des Rheins in Holland auch die Küstenseeschwalben und die Flussseeschwalben kennen – und ihre erstaunliche Fähigkeit über unendliche Strecken, immer dem Sonnenlicht folgend, das ganze Jahr über von hoch im Norden bis nahe zur Antarktis zu fliegen.
Kurz: das reichhaltige Buch begeistert! Man kann es direkt von vorn bis hinten durchgelesen; aber sehr wohl auch einzelne Kapitel nach dem aktuellen Interesse aussuchen.


Hans Jürgen Balmes: Der Rhein. Biographie eines Flusses
Fischer Verlag, 2021 / Fr. 39.90

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