Behrend Menschwerdung eines Affen

«Der Affe, der Mensch werden will, bin ich, eine (Berliner) Ethnologin.»
Ende der 1970er Jahre lebt Heike Behrend in den Tugenbergen in Kenia und versucht vom Kolonialismus möglichst unberührte Traditionen zu erforschen. Schnell zeigt sich, dass dies kein einfaches Unterfangen ist, vor allem, wenn die Ethnografierten die junge Forscherin als «Affe» bezeichnen. Jahre später nimmt sie uns mit nach Uganda, um der christlichen Armee «Holy Spirit Mobile Forces» der Prophetin und Heilerin Alice Lakwena auf die Spur zu kommen, und versucht, an Geisterbeschwörungen teilzunehmen – was aber gar nicht so einfach ist. Als «Kannibalin» erkannt wird sie gar während ihres Aufenthalts in Uganda in den 1990er Jahren, als die Aidsepidemie auf ihrem Höhepunkt ist und der Kult um den Kannibalismus neu aufflammt.
Mit der Entkolonialisierung Afrikas geriet die Ethnologie in eine schwere Krise. Die damit einsetzende Selbstreflexion wird von Behrend einfühlsam und selbstkritisch beschrieben und legt die Verstrickungen mit den Ethnografierten offen. Sie zeigt, dass Feldforschungen ihren je eigenen Verlauf nehmen, da auch die Menschen vor Ort Interessen und Projekte haben. Sie anerkennt die Beobachteten als Handelnde und lässt sie ihrerseits das Menschsein der sie Erforschenden ihn Frage stellen.

Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnologischen Forschung
Verlag Matthes & Seitz, 2020 / Fr. 35.90

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