Horvilleur Überlegungen zur Frage des Antisemitismus

„Da wo ein Jude ist, ist auch der Antisemit nicht weit.“ Bereits mit der ersten Erwähnung der Jüdinnen und Juden im Buch Ester betritt der Bösewicht Haman die Geschichte und fasst in einem einzigen Vers eine zeitlose Illustrierung, der im Verlauf der Geschichte erhobenen Anklagen gegen die Juden, zusammen. Die biblischen Generationen zurückverfolgend führt Hamans Abstammung zu Esau, dem verfeindeten Zwillingsbruder von Jakob, dessen Söhne die zwölf Stämme Israels begründen. Ihre Gegensätzlichkeit zeigt sich ebenso in der Figur des Unfertigen (des Mangels) und des nach Einheit Strebenden, wie auch in Jakobs weiblichen und Esaus männlichen Attributen. Auf den Spuren des Ursprungshasses wird deutlich, dass sowohl „der Jude“ als auch „die Frau“ den Mangel verkörpern und somit ohne eine Reflexion über den Platz des Weiblichen der Judenhass nicht zu erklären ist. Wo liegen also die Ursprünge antisemitischen Denkens? Was heisst es, jüdisch zu sein, ohne den definierenden Blick des Antisemiten? Und wie hängen Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit zusammen? Ausgehend von den traditionellen hebräischen Texten und den Diskussionen der Gelehrten rekonstruiert die französische Rabbinern Delphine Horvilleur die Anfänge des Antisemitismus und kommt dabei ohne Umschweife zu erstaunlichen Ergebnissen.

Delphine Horvilleur: Überlegungen zur Frage des Antisemitismus
Hanser Verlag, 2020 / Fr. 26.50

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