Nützel Sprachzauber

Was ist Sprache, was kann sie (nicht)? Wie vielfältig, vielschichtig und komplex ist unser "Blabla "? Dass Sprache über die Jahrhunderte magische Wirkung zugesprochen wurde, z.B. in Zaubersprüchen, und bedeutend auf unser Denken, Handeln und Fühlen wirkt, ist uns heute mindestens noch im sprachwissenschaftlichen wie auch im politischen Kontext bewusst. Wer Freude an Sprache, Kommunikation und sozialer Interaktionen hat, findet in diesem reichhaltigen, fundierten Buch eine wunderbare Wissens- und Diskussionsquelle (ab 12 Jahren und für die ganze Familie).

Nikolaus Nützel: Sprachzauber. Warum unser Blabla mehr als Hokuspokus ist
Ars Edition, 2020 / Fr. 21.90

Adiga Amnestie Der neuste Roman von Aravind Adiga ('Der weisse Tiger ') erzählt Dannys Geschichte. Danny ist Flüchtling aus Sri Lanka, der sich illegal in Australien mit Putzjobs durch-bringt. Erst unauffällig und möglichst unsichtbar, steht er nun auf der Schwelle zur Legalität, als eine seiner Kundinnen ermordet wird. Dies bringt ihn in einen tiefen Gewissenskonflikt.
Die Leser*innen erfahren viel von seinem Alltag, seiner Geschichte und seiner möglichen Zukunft. Die Ermittlungen begleiten uns durch den lebendig geschriebenen Roman, der sich politisch-literarisch der Frage von Identität und (Il-)Legalität widmet.

Aravind Adiga: Amnestie
C.H. Beck Verlag, 2020 / Fr. 33.90
Othmann Die Sommer

Leyla ist Tochter einer Deutschen und eines ezidischen (jesidischen) Kurden. Jeden Sommer fährt die Familie nach Syrien und besucht die Familie des Vaters. Sie leben zusammen, sitzen auf dem Boden und schlafen auf dem grossen Bett mit der Grossmutter.
Jedes Jahr muss sich Leyla wieder neu bemühen, die Weinblätter richtig zu füllen und zu falten, die Abwassergräben im Dorf blind zu überspringen, auf Schlangen aufzupassen und auf so vieles mehr, was die Dorfkinder einfach im Griff haben.

In der Nähe von München geht sie ins Gymnasium, hier fühlt sie sich oft unverstanden, wegen der Herkunft des Vaters und auch, weil sie hier tagsüber sehr häufig al-lein ist.
Es ist ein völlig anderes Leben. Leyla hat Mühe ihren Weg zu finden, besonders als im Syrienkonflikt Assad Aleppo vernichtet und der IS die Eziden ermordet - daneben die Bilder ihrer unbekümmerten Freunde aus dem deutschen Alltag. Sie ist verliebt, in eine Studentin. Darüber kann sie mit ihrer Familie nicht reden. Eine Entscheidung drängt sich auf.
Die Autorin hat ebenfalls kurdisch-ezidische Wurzeln – sie ist Journalistin und Schriftstellerin, studiert Deutsche Literatur in Leipzig. Der (nicht biographische) Roman ist spannend und sehr informativ.

Ronya Othmann: Die Sommer
Hanser Verlag, 2020 / Fr. 31.90

Lafon Die Annonce

»Bauer, sanft, sechsundvierzig, sucht junge Frau, die das Land liebt«
Und Annette antwortet: Sie hofft auf einen Ausweg aus ihrem festgefahrenen Leben und eine Chance für sich und ihren Sohn Éric.
Nach zwei ersten Treffen auf halbem Weg beschliessen Annette und der Bauer Paul, es miteinander zu versuchen und sie ziehen zu ihm auf den abgelegenen Hof in der Auvergne. Was passiert, wie verstehen sich Annette und Éric mit Pauls Schwester und den beiden alten Onkeln?
Mit erstaunlich wenig Worten schafft es Marie-Hélène Lafon ganz viele Bilder, Welten und Wege zu öffnen – ein kleines Bijou und eine grosse Entdeckung!

Marie-Hélène Lafon: Die Annonce
Rotpunktverlag,2020 / Fr. 26.-

Schmidt Kalmann

Der Autor, 1981 im Graubünden geboren und aufgewachsen, wanderte 2007 nach Island, wo er als Journalist und Reiseführer arbeitet.

Sein vierter und persönlichster Roman handelt von Kalmann, einem jungen Burschen, etwas zurückgeblieben, aber von seinem Grossvater hervorragend auf das Leben als Fischer und Jäger vorbereitet. Er wandert über die weiten Ebenen Islands, macht sich Gedanken über das Leben, über sich und alles was ihm täglich begegnet. Er legt Hai-fischköder aus und verarbeitet den Fang zu 'stinkendem' Gammelhai - dem besten der Insel!
Als er eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Also kein Grund zur Sorge! Herzerwärmend und spannend bis zum Schluss.

Joachim B. Schmidt: Kalmann
Diogenes Verlag, 2020 / Fr. 30.-

Schmid Du weisst mich jetzt in Raum und Zeit zu finden

Auf dem Dachboden der Eltern in Basel stösst Beatrice Schmid auf ein wahres Fundstück: Dokumente ihrer Grossmutter Marie und ihrer Grosstante Paula. Es sind Briefe, Fotos, Artikel und andere Unterlagen, in denen sich die Katastrophen sowie die bedeutenden Emanzipationsbewegungen des 20. Jahrhunderts widerspiegeln.
Die eine, Paula, emigriert in den Anfangsjahren der Sowjetunion aus Basel nach Moskau, um am Aufbau einer neuen Gesellschaft mitzuwirken, blutjung und frisch verheiratet. 1937 wird ihr Mann erschossen, ihre zweijährige Tochter in ein Heim gesteckt, und sie kommt in den Gulag. Nach Stalins Tod wird sie rehabilitiert und findet ihre Tochter wieder. Trotz allem verbleibt sie in der Partei und verliert ihre Zuversicht nicht.
Die andere, Marie, wird mit elf Jahren Waise und muss als Magd dienen. Sie wird Hilfsarbeiterin in Basel, sozialisiert sich politisch und ist bis zur Heirat mit Paulas Bruder stolz auf ihre Unabhängigkeit. Sie beginnt zu schreiben, veröffentlicht Artikel und setzt sich mit ihrem tiefen Gerechtigkeitsempfinden für die Rechte der Frauen ein. Das Schicksal ihrer Schwägerin lässt sie 1956 mit Protest aus der Partei der Arbeit austreten.
Beatrice Schmid nimmt uns mit auf ihre Recherchereise. Sie beschreibt, wie sie das Leben und Erbe ihrer engagierten Vorfahrinnen entdeckt, deren mutige Lebensgeschichten einen nicht mehr loslassen.

Beatrice Schmid: »Du weisst mich jetzt in Raum und Zeit zu finden«. Zwei Frauen zwischen Basel und Moskau
Rotpunktverlag, 2020 / Fr. 38.-

Kutscher Olympia

Berlin, im Sommer 1936.
Inmitten der Olympiabegeisterung muss Gereon Rath – ausgerechnet für die SS - verdeckt in einem Todesfall im olympischen Dorf ermitteln. Die Machthaber befürchten, dass Kommunisten die Spiele sabotieren.
Rath hat da so seine Zweifel und ermittelt eher lustlos, zu-mal er private Probleme hat: Er ist Gastgeber amerikanischer Olympia-touristen, seine Ehefrau Charly hat die gemeinsame Wohnung unter Protest verlassen und auch mit ihrem Ziehsohn Fritze gibt es wieder Probleme.
Dann findet er im olympischen Dorf einen Mitarbeiter mit kommunistischer Vergangenheit, der ausgerechnet auch am Tatort war. Während der Verdächtige brutalen Verhören der SS ausgesetzt ist, geschieht ein zweiter Mord.
Rath ermittelt fieberhaft, um weitere Todesfälle zu verhindern, und ahnt nicht, dass sein eigenes Todesurteil längst gefällt ist…

Volker Kutscher: Olympia. Der achte Rath-Roman
Piper Verlag, 2020 / Fr. 33.90

Ab ins Bundeshaus Leiterlispiel Vor fünfzig Jahren wurde in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt: Mit einem Augenzwinkern macht das Leiterlispiel auf dieses Jubiläum aufmerksam. Am Start steht die «Saffa-Schnecke» von 1928, ein wichtiges Symbol im Kampf für das Schweizer Frauenstimmrecht. Ziel des Spiels ist es, die weiblichen Spielfi guren in den erlauchten Kreis der Bundesräte zu würfeln. Auf dem Weg stossen die Spielerinnen und Spieler auf Ereigniskarten, Rutschen und Leiterli, die den Weg beträchtlich verkürzen oder verlängern. Alle Spielzüge, welche die Figuren weiterbringen oder zurückwerfen, basieren auf historischen Tatsachen. Im beiliegenden Textbüchlein erfahren Interessierte mehr dazu.
Eine ausgesprochen witzige und originell umgesetzte Idee zum Jubiläum!

Isabel Koellreuter Franziska Schürch, Noëmi Crain Merz, Anne Kriesemer: Ab ins Bundeshaus!
Verlag Hier und Jetzt, 2020 / Fr. 39.90

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.