Orange Dort dort

"Das Problem mit Oakland ist, dass wenn du dort hinkommst, gibt es kein Dort dort.“ Gertrude Stein

Tony Loneman hat ein angeborenes fetales Alkoholsyndrom und dealt mit Dro-gen, Opal Bear Shield ist Pöstlerin und zieht die drei Enkel ihrer Schwester auf, Edwin Black ist ein glückloser junger Mann, der nach seinem unbekannten Vater sucht und Orvile Red Feather recherchiert auf YouTube nach seinem kulturellen Erbe. Zwölf Native Americans mit unterschiedlichsten Motiven bereiten sich auf die Teilnahme am Big Oakland Powwow vor.
Heute leben mehr als drei Viertel der Native Americans in Städten, ihre Identität ist eine urbane und doch bleiben sie gefangen in der vollkommen romantisierten und von jeher fremdbestimmten Geschichte ihres Volkes. Tommy Orange gibt den urbanen Indianer*innen eine literarische Stimme mit dem Anliegen, dass sie als Menschen der Gegenwart anerkannt werden.

Tommy Orange: Dort dort
Hanser Verlag, 2019 / Fr. 31.90

Thijssen Ein Junge wie Kees

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wächst Kees Bakels im Amsterdamer Jordaan-Viertel auf – er denkt und träumt wie viele Kinder, damals und heute: seine kleine Welt um ihn herum und er mittendrin, der Held und voller Phantasie, immerhin ist er der Erfinder des legendären Schwimmbadschritts!
Doch das Leben geht weiter, die Schulzeit neigt sich dem Ende zu, Kees schwerkran-ker Vater stirbt und er muss mit Verantwortung für die Familie übernehmen.
Theo Thijssen hat es geschafft, in diesem Klassiker der niederländischen Literatur, das individuelle Leben Kees' so allgemeingültig zu schildern, dass die Leser*innen sich bis heute darin wieder erkennen können – ein wahrer Buchschatz!

Theo Thijssen: Ein Junge wie Kees
Wallstein Verlag, 2019 / Fr. 33.90

Kalisa Radio Activity Nora Tewes wächst bei ihrer alleinerziehenden Mutter, einer Tonmeistern, im Theater einer kleinen norddeutschen Hafenstadt auf. Das Vermächtnis der früh verstorbenen Mutter beinhaltet, nebst den nahen gemeinsamen Gedankenwelten, auch eine nur oberflächlich verheilte Wunde. So verschafft sie sich und ihrer Mutter mit Hilfe von Freunden, dem gemeinsamen Radio "Tee und Teer " und viel eigenwilligem Witz und Gerechtigkeitssinn Gehör und Stimme.
Es ist nach "Sungs Laden " der zweite Roman von Karin Kalisa.

Karin Kalisa: Radio Activity
C.H. Beck Verlag, 2019 / Fr. 31.90

Ganzoni Tod in Genua Paul und Nina - weil sie beide dasselbe Buch lasen, waren sie im Rondell der Universität gleich Feuer und Flamme. Der Mathestudent nimmt die angehende Opernsängerin mit nach Genua, wo die gute alte zia Mathilde ihren Segen erteilte, und angesteckt von der energiegeladenen Stadt stürzten sie sich in eine Ehe ohne Probezeit.
Lustvoll streiten, wer nun die Blume, wer der Gärtner ist, können Paul und Nina immer noch - dass aber ihr lang gehegter Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, lässt sich nach mehreren Fehlversuchen nur schwer lustig reden. Und als sie jetzt, wieder in Genua, auf dem Friedhof Staglieno die hundertjährige Mathilde zu Grabe tragen, bricht - unaufhaltsam - etwas auf. Sie blicken in einen Abgrund, der weder mit Tom Ford noch mit Chanel zuzuschütten ist…

Romana Ganzoni: Tod in Genua
Limmat Verlag, 2019 / Fr. 26.-

-> siehe auch Veranstaltungen: die Ganzoni-Lesung!
 pdfEinladung_Ganzoni.CelerinaGanzoni.Basel_04.12.19.pdf
Wagner Der vergessliche Riese

David Wagner begibt sich auf eine autobiografische Spurensuche. Der Vater, Anfang 70 und zweifach verwitwet, ist wieder zum Kind geworden, braucht Betreuung und vergisst andauern, was gerade noch gewesen ist.
Der Autor zeigt einen Menschen, der noch in der Gegenwart lebt aber allmählich verschwindet. Ganz leise, fast unmerklich, schreitet die Demenz voran, doch sie verläuft hier ohne Schrecken. Wagner bringt seinem Vater eine Zärtlichkeit entgegen, die ebenso wie seine Geduld, den Humor und das Ausbleiben von Hadern und Wut tief berührt. Gerade die Einfachheit der Darstellung, in der sich Empathie und Ironie vermischen, macht die besondere Wirkung des Romans aus.

David Wagner: Der vergessliche Riese
Rowohlt Verlag, 2019 / Fr. 31.90

Sacks Die feine New Yorker Farngesellschaft

Genau, dieser Oliver Sacks, der bekannte Neurologe, hat auch dieses kleine Reise-journal geschrieben: Die amerikanische Farngesellschaft – eine bunt gemischte Gruppe farnbegeisterter bis -besessener Farnliebhaber, geht auf eine Exkursion in den mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Eine phantastische Reise beginnt! Sacks schildert mit schönen Landschafts- und Ortbeschreibungen, sympathischer Beobachtung der verschiedenen Charakterköpfe, feinem Humor und viel Sinn für die Natur, Kultur und Menschen vor Ort diesen Ausflug in eine so andere Welt – und dabei ist er selbst ja eigentlich gar kein Farn-Mensch, seine Leidenschaft gilt dem Schachtelhalm!
Ein wunderschön gestaltetes Buch und eine Trouvaille für alle begeisterten Leserinnen und Leser.

Oliver Sacks: Die feine New Yorker Farngesellschaft
Liebeskind Verlag, 2019 / Fr. 28.90

Schnerf Wir waren eine gute Erfindung

Salomons Familie soll für den Sederabend zusammenkommen, doch dieses Jahr, das erste Mal seit fünfzig Jahren, ohne seine geliebte Frau Sarah. In den Stunden vor der Feier erinnert sich Salomon und Tradition und Gedächtnis finden dabei zu ihrer eigenen Ordnung: Vergangene Festtage inmitten der Familie, Zeremonien und politische Fragen der Enkelin, die einer Todsünde gleichkommen. Er fühlt noch einmal das geteilte Glück mit Sarah. Zugleich kann der Auschwitz-Überlebende dem Erlebnis der Shoah nur mit KZ-Witzen begegnen. Ausser ihm weiss dies nur leider niemand in seiner Familie zu würdigen, stattdessen Augenrollen und ein entnervtes "Opa…".
Dieses feinfühlige Buch lässt die Flüchtigkeit erahnen, die jeder menschlichen Begegnung innewohnt, auch wenn sie fünfzig Jahre andauert.

Kunstmann Verlag, 2019 / Fr. 25.90

Brandt Blackbird

Jugend in den 70er Jahren! Der 1961 geborene Mathias Brandt, Schauspieler und Schriftsteller, entführt uns gleich auf den ersten Seiten in die Welt von Motte, eigentlich Morton Schuhmacher und dessen Schulkollegen. Der Roman sprudelt über von komisch-tragischen Wendungen erinnert uns an die Zeit des Erwachsenwerdens, alles passierte zum ersten Mal, war aufregend und die Welt ging unter … aber dann fügt sich doch alles zu einem guten Ende, nicht unbedingt zum erträumten, aber zu einem überraschenden. Ein Buch für alle Junggebliebenen!

Matthias Brandt: Blackbird
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2019 / Fr. 31.90

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